Weideinfrastruktur / Bei den vielen Regentagen der letzten Weidesaison zeigte sich deutlich, ob die Weideinfrastruktur den betrieblichen Anforderungen genügten. Was gute Weidezugänge ausmacht und verschiedene spannende Ansätze von Betrieben in der ganzen Schweiz, erfährst du in diesem Beitrag. Mit Bildergallerie.
Zahlreiche Faktoren haben Einfluss auf das Ausmass von Trittschäden. Eine Auswahl findet sich in der nachfolgenden Tabelle, sortiert nach absteigender Wichtigkeit. Das heisst, das Tierverhalten wird als grösserer Einfluss als das Tiergewicht angeschaut. Wobei die einzelnen Faktoren auch nicht strikte getrennt werden können, weil zum Beispiel ein unpassendes oder ungewohntes Grasangebot (zu jung, zu alt) auch das Tierverhalten beeinflussen kann (Unruhe vs. zufrieden fressen).
nicht veränderbar
beeinflussbar
Boden
Tierverhalten
Topographie
Grasnarbe
Witterung
Tiergewicht
Bei Weideinfrastrukturen geht es nicht in erster Linie darum, das Weideerlebnis für Tiere und Mensch zu verbessern, und nur zweitranging um das Verhindern von Trittschäden mit baulichen (!) Massnahmen, die selber auch wieder die Futterfläche verkleinern. Massnahmen zur Reduktion von Trittschäden müssen darauf abzielen, die unbewachsene Fläche und die Verschmutzung der Klauen möglichst gering zu halten. Als Resultat lässt sich der Futterverlust minimieren, und der Boden kann seine Filterfunktion (Gewässerschutz) möglichst gut wahrnehmen.
Die geeigneten Infrastrukturen wie Auftriebswege, befestigte Eingangs- und Tränkebereiche sind abhängig vom Weidesystem und der Umsetzung auf dem Betrieb. DIE Lösung für alle gibt es nicht. Wenn kleinere Herden regelmässig eine Wiese queren müssen, reicht bei kleinen Herden ein kleines, klauenfreundlich gestaltetes Kuhweglein von 1m Breite. Der Betrieb mit automatischem Melksystem (AMS) und freiem Weidezugang braucht hingegen Kuhautobahnen, damit sich die Kühe individuell und ruhig zwischen Weide und Stall bewegen und kreuzen können.
Wenn durchgetretene, morastige Stellen befestigt werden, kann es sein, dass sich die Schäden örtlich verschieben oder sogar ausdehnen. Das Management muss auch immer angeschaut werden: Wieso halten sich übermässig viele Tiere in einem bestimmten Bereich auf? Wieso bewegen sie sich mehr als nötig?
Wenn die Tiere nur zum Fressen auf die Weide kommen, ist die Düngerverteilung besser und die Schäden reduzieren sich - vor allem bei nasser Witterung.
Planungsgrundlagen
In der Fotogallerie ganz unten werden zahlreiche Beispiele aus der Praxis gezeigt. Es gilt wie so oft in der Landwirtschaft: Generelle Empfehlungen sind schwierig, der Austausch mit den Kollegen vor Ort und etwas Experimentierfreude zahlen sich aus. Nachfolgend ein paar Ratschläge, welche im AGFF Infoblatt W14 [1] (wo nicht anders angegeben) oder in anderer Literatur zu finden sind:
Ein befestigter Weg soll mehr als 20 Jahre halten!
Lage des Weges gut planen: wie können möglichst viele Koppeln erschlossen werden?
Je grösser die Herde, desto breiter der Weg. Die Herde kommt auf schmalen Wegen langsamer voran. Im Anfangsbereich ist eine Wegbreite von 3 bis 5 Metern erforderlich (Gedränge, Überholen, brünstige Tiere). Nach einer gewissen Distanz genügt eine Breite von 1 Meter, da sich die Herde in die Länge zieht; für Herden mit mehr als 50 Kühen bleibt jedoch eine Breite von 3 oder gar 4 Metern erforderlich.
Weiche Triebwege – die jedoch rasch abtrocknen – sind grundsätzlich harten Bodenausführungen vorzuziehen. Diese schonen nicht nur die Klauen, sie werden auch von den Kühen bevorzugt aufgesucht. [2]
Der Weg darf keine Steigung von mehr als 30% aufweisen; gegebenenfalls müssen Tritte gebaut oder der Weg verlängert werden.
Wird der Weg ebenfalls von Fahrzeugen benutzt, muess er genügend breit und gut gebaut sein; ansonsten können sich Spuren bilden.
Die Dauerhaftigkeit eines Weges hängt vom Abfliessen des Wassers ab: Bombierte Form, je nach Untergrund Drainage einbauen und tiefere Erdschichten vermeiden.
Den Wegbau für das Legen von Wasser- und/oder Elektroleitungen nutzen.
Der elektrische Zaun muss 50cm vom Wegrand entfernt sein; dies ergibt gesamthaft eine minimale Wegbreite von 2 Metern.
Zu beachten: Bauliche Massnahmen auf offenem Feld sind in der Regel baubewilligungspflichtig. Das Projekt muss mindestens bei der Gemeinde zur Prüfung eingereicht werden.
Wenn ein Weg neu angelegt werden soll, muss neben der allfällig einzuholenden Baubewilligung, die fachlich korrekte Ausführung beachtet werden:
Welche Arbeiten sind vor dem Legen des Belags zu erledigen? [1]
Pflanzenschicht entfernen (15-20cm).
In feuchten Zonen eventuell bei trockenem Wetter ein Acrylvlies (Stil "Bidim") auf den Untergrund legen.
Mit dem herumliegenden Material auffüllen.
Jede Schicht walzen udn zusammenpressen (besser zweimal als nur einmal).
Das Abfliessen des Wassers sicherstellen, zum Beispiel durch eine Wölbung (Kies, Sand, Holzschnitzel) oder eine leichte Neigung von 2% (andere Beläge).
Die Milchviehhaltung mit automatischem Melksystem (AMS) kombiniert mit automatisierter Portionenbeweidung im ABC-System erfordert mindestens drei Haupt-Weidewege und eventuell weitere Verästelungen, damit die Kühe bei jedem Wetter problemlos auf die zugeteilten Weideflächen gehen können. Weil neue Weidewege wie alle baulichen Massnahmen auf offenem Feld grundsätzlich einer Baubewilligung bedürfen, suchen Betriebsleitende auch nach neuen Möglichkeiten für halb-permanente Weginstallationen. Im Vordergrund der Überlegungen stehen die einwandfreie Akzeptanz durch die selbständig zirkulierenden Tiere, ein guter Wasserabfluss und Selbstreinigungseffekt, und die Akzeptanz durch die Behörden. Aber auch die einfache Rückbaubarkeit bei einem späteren Systemwechsel sollte bedacht werden - wer weiss schon, welches Weidesystem die nächste Generation bevorzugt oder ob die Fläche überhaupt noch beweidet werden wird?
Für die nachfolgende Ideen gilt, dass sie noch relativ wenig erprobt sind und sich nicht auf jedem Boden gleich gut bewähren könnten.
Anstelle des oben skizzierten, bewährten und dauerhaften Wegaufbaus kann auch eine Mergelschicht auf gewachsenem Boden aufgebracht werden. Als Trennlage wurde eine Geotextil auf den gewachsenen Boden ausgelegt. Durch die Bombierung und die Anhebung gegenüber der Umgebung kann das Wasser gut abfliessen. Für die tägliche Belastung durch die Kühe ist gemäss Berichten eine Mergelschicht von ca. 20cm ausreichend.
Vorteile:
keine problematischen, ortsfremden Stoffe (ausser allenfalls Geotextil)
Akzeptanz durch Kühe, bei geeignetem Material und guter Walzarbeit
Akzeptanz durch aussenstehende Personen
Nachteile:
eher ungeeignet für geneigte Weidewege (Ausschwemmgefahr)
Dauerhaft überbeanspruchte Stellen (Engstellen, Durchgänge, Tränkestellen) werden am besten mit Kies gekoffert. Die Deckschicht sollte klauenfreundlich gestaltet und gut gewalzt werden, damit die Tiere sich gerne darauf aufhalten. Bild: Waldhof, Langenthal, 2013 (M. Zbinden)
Dieser Betrieb integriert seit zwei Jahrzehnten einen bestehenden Feldweg in seine Kurzrasenweide. Dieser dient als befestigter Auftriebsweg und zum Auffahren des Tränkefasses. Keine fest installierten Tränken, weil die Weiden auf Ackerland liegen, welches periodisch auch für den Kartoffelanbau genutzt wird). Bild: Schüpbach, 2017 (M. Zbinden)
Sind dauerhafte Zugangswege vorhanden, dann sollten entlang dieser keine Festzäune installiert werden. So können Ein- und Ausgänge flexibel definiert und auch verschoben werden. Bei nassem Boden kann es ab 20 bis 30 Kühen sinnvoll sein, die Kühe nur einmal bei einem Öffner durchzutreiben. Dann entstehen in der Regel kaum Trittlöcher. Bild: Untersteckholz, 2016 (M. Zbinden)
Auch dieser Betrieb nutzt einen schon länger vorhandenen Bewirtschaftungsweg als Zugangsweg zu den Milchkühen. Grundprinzip hier: Kühen unten rein, oben raus, zudem nur für einige Studen am Morgen und am Abend. Damit rennen die Kühe nicht unnötig in den Börtern herum. Bild: Willisau, 2022 (M. Zbinden)
Ein anderer Betrieb hat in Folge der Umstellung auf Vollweide einen neuen Zugangsweg zu höher gelegenen Weiden errichtet. Vorteile gegenüber vorher: tägliche Zeitersparnis, Kühe laufen gut und gezieltere Weideführung möglich. Bild: Willisau, 2017 (M. Zbinden)
Es braucht nicht immer breite Wege: dieser Betriebsleiter hat zu Beginn seiner Karriere quasi ein künstliches Kuhweglein mit Kies angelegt, welches auf die hinteren und unteren Koppeln führt. Dank geschickter Weideeinteilung und jährlichem Pflegeschnitt hat er dafür sonst keine Kuhweglein auf seinen steilen Seiten. Bild: Röthenbach i.E. (M. Zbinden)
Wo der Vater einst noch mit der Seilwinde pflügte und Kulturen anbaute - gibt es heute trotz mehr als 50% Hangneigung keine Treppenbildung. Möglich ist das durch eine geschickte Weideeinteilung mit schmalen, hohen Koppeln (Karte), kurze Besatzzeiten (max. 3 Tage, Ausweichmöglichkeiten bei nasser Witterung) und weil die Tiere nach dem Fressen selbständig in den Stall zurück gehen können. Bild: Rüderswil, 2017 (M. Zbinden)
Eine relativ neue Idee ist die Verlegung einer ca. 10cm dicken Asphaltschicht direkt auf die Grasnarbe. Die Anfangskosten sind zwar relativ hoch, aber dafür hat man über Jahre einen sauberen, gern begangenen Triebweg ohne Unterhaltsbedarf. Frost und Nässe dürften die Dauerhaftigkeit beeinträchtigen. Foto: zVg
Achtung, ohne Kofferung darf nicht mit schwerem Gerät draufgefahren werden, was bei einer Breite von 1 bis 2 Metern auch nicht beabsichtigt wird. Dafür kann ein einmal ausgedienter Weg auch relativ einfach wieder entfernt und entsorgt werden. Foto: zVg
Dauerhafte Massnahmen, oder solche die Erdverschiebungen beinhalten, sind in vielen Gemeinden Baubewilligungs-pflichtig. Bild: Untersteckholz, 2017 (M. Zbinden)
Wenn ein Weideweg nicht bewilligungsfähig ist, dann könnten alternativ Gummimatten direkt auf den gewachsenen Boden verlegt werden.
Als Notmassnahme oder provisorisch angelegte Wege dienen Holzschnitzel. Die Deckschicht muss aber jährlich erneuert werden. Nicht geeignet für nasse Verhältnisse/Stellen. Bild: Ort und Jahr unbekannt (S. Oehrli)
Gerade Kurzrasenweiden mit ihrer enormen Triebzahl mögen bei einer gleichmässigen Verteilung der Trittbelastung sehr viel erleiden, auch in einem nassen Jahr. Sie können sogar zur Durchleitung auf andere Koppeln verwendet werden, als Warteraum, etc. Einzig sehr stark belastete Stellen wie Strassenübergänge müssen bei nassem Wetter geschont oder regelmässig verschoben werden, damit die Grasnarbe nie komplett zerstört wird. Bild: Rüschegg, 2024 (M. Zbinden)
Grosse Vollweide-Herden (>40 Tiere) erfordern in jedem Fall geeignetes Wegnetz, damit die hofnäheren Flächen nicht überbeansprucht werden. Hier ein Beispiel vom Plantahof in Landquart. Bild: Landquart, 2023 (M. Zbinden)
Martin interessiert sich für Grasland, Milch und allerlei technische Spielereien. Er ist unter anderem zuständig für Aufbereitung der Graswachstumsmeldungen.