Weidestart jetzt!
Zahlreiche Vollweidebetriebe der Tal- und Hügelregion haben seit Mitte Februar mit dem Weidegang angefangen. Momentan verhindern frostige Nächte ein stärkeres, gut sichtbares Graswachstum.
Inhaltsverzeichnis
Für das ganze Schweizer Mittelland heisst es seit anfangs März: Meist sonnig, Höchsttemperatur 12 bis 18 Grad. Ideale, trockene Bedingungen für den Weidestart. Je nach Grashöhe im Herbst und Überwinterung gibt es bereits einen Grasvorrat, der genutzt werden will. Alle für die Weide vorgesehenen Flächen kurz bestossen (anfangs nur stundenweise). Von Beginn an auf die angestrebte Weideabtriebshöhe abfressen lassen.
Aktuelle Messwerte
Erste Betriebe schliessen bereits die zweite Messung der Grashöhe ab und können daher bereits die Zunahme der Biomasse ermitteln. Seit Mitte Februar ist demnach zwischen 5 bis 15 kg TS/ha/Tag gewachsen – gerade in dieser Zeit mit noch tiefem Sonnenstand und viel Schattenwurf variieren die Wachstumsbedingungen noch sehr stark von Ort zu Ort.
Kühle bis frostige Nachttemperaturen bremsten in der vergangengen Woche das Graswachstum. Gemäss ersten Messungen waren Ende Februar Wachstumsraten von ca. 10 kg TS/ha/Tag möglich. Mit den erwarteten, milderen Nächten dürfte sich die Wachstumrate dieses Wochenende bereits gegen 20kg steigern.
Die teilnehmenden Betriebe melden durchschnittliche nutzbare Grasvorräte zwischen 100 und 300 kg TS/ha, wobei dieser Wert sehr stark von der festgelegten ("theoretischen") Stoppelhöhe abhängt und mit Vorsicht zu vergleichen ist. Auch werden die Grashöhen der einzelnen Parzellen momentan recht stark differieren, je nach Exposition und vorhandener Wärme. Wichtig ist auch zu wissen, dass bereits abgeweidete Koppeln in diesen Durchschnittswert einfliessen.
Der frühe Weidebeginn macht Sinn
Wer seine Wiesen früh intensiv beweidet, profitiert von einigen Vorteilen:
- Der Futterberg während der Wachstumsspitze ist weniger ausgeprägt.
- Es wird früh eine gute Staffelung der Weidekoppeln erreicht.
- Vitamine und gute Gehalte vom jung gewachsenen Gras, die Bewegung und saubere Klauen sind gut für die Tiergesundheit und die Produktion.
- Effektive Unkrautbekämpfung durch noch unselektives Fressverhalten.
- Früher und häufiger Verbiss fördert die Bestockung der Untergräser. Mehr Triebe = bessere Trittfestigkeit.
Gewisse Aspekte könnten als Nachteil ausgelegt werden:
- Weide muss bei Schnee oder viel Regen wieder pausiert werden.
- Bei mehrmaligen Wetterwechseln kann es mehrere Futterumstellungen für die Tiere bedeuten.
Pflegemassnahmen für Mähwiesen
Über die Weideflächen hinaus profitieren speziell Naturwiesen von einem sogenannten Pflegeweidegang im Frühjahr, weil er die Anteile der wertvollen Gräser fördert und die Verunkrautung hemmt. Gemeines Rispengras und andere minderwertige Pflanzen werden gefressen und damit auch reguliert. Auf sehr intensiven Schnittwiesen, vor allem auch Ansaatwiesen in der Fruchtfolge, kann die Massnahme hingegen übers Jahr gesehen etwas Ertrag kosten. Aber auch dort nimmt man diesen Nachteil zu Gunsten einer dichteren Grasnarbe in Kauf, wenn im späteren Jahresverlauf auch geweidet werden soll.
Eine frühe Beweidung erspart oft weitere Massnahmen auf den betreffenden Parzellen. Welches Gerät wann am besten geeignet ist, wird im AGFF Infoblatt U5 gezeigt. Ein Walzen bei leicht feuchtem Boden kann allfällige Unebenheiten weiter reduzieren. Mäusehaufen werden am effizientesten mit einer Wiesenegge verstrichen - sinnvoll kombiniert mit einer Übersaat. Mechanische Pflegemassnahmen sind speziell auf den Parzellen angebracht, auf denen als nächstes eine Schnittnutzung folgen wird.
Übersicht Pflegemassnahmen (eAGFF.ch)
AGFF Infoblatt U5 Wiesen- und Weidepflege
Bildergallerie
Luisa und Rafael beginnen jeweils mit einer grossflächigen Überweidung (1,5-2ha für 80 Tiere). Bild: Muri AG, 20. Februar 2025 (L. Rusca)
Die Wiesen zeigen teilweise gelbe Farbetöne, mehr als in früheren Jahren. Luisa schreibt dies der längeren Kälteeinwirkung und der länger geschlossenen Schneedecke zu. Bild: Muri AG, 20. Februar 2025 (L. Rusca)
Der Betrieb Marti in Abtwil AG hat direkt mit der Umtriebsweide gestartet. Momentan wird jeden Tag 0.5ha Weidefläche für 58 Kühe zugeteilt (ca. 200kg nutzbares Gras). Der Anteil Stallfütterung beträgt noch rund 80%. Bild: Abtwil AG, 20. Februar 2025 (N. Marti)
Unweit von den beiden vorangehenden Betrieben, hat der Burgerhof mit dem Weidestart bis am 4. März zugewartet. Foto: Rudolfstetten AG, 4. März 2025 (A. Burger)
Hier wurden letzten Sommer noch Leitungen verlegt (Spuren im Vordergrund). Die Wiesenpflege auf 700m ü.M. übernehmen auch hier die Kühe. Bild: Bretzwil BL, 04. März 2025 (M. Sutter)
Der Zeitpunkt für einen ersten Pflegeweidegang ist optimal, obwohl die Weiden noch gerade nicht durchstarten... Foto: Olsberg BL, 04. März 2025 (A. Stohler)
... denn gerade der hier gesäte Zucht-Rohrschwingel braucht etwas höhere Temperaturen, um durchzustarten. Foto: Olsberg BL, 04. März 2025 (A. Stohler)
Mäuseschäden sind kein Grund, nicht ein erstes Mal zu überweiden. Mäusegänge werden zertrampelt. Mäusehaufen können später immer noch mit einer Egge verstrichen werden. Foto: Benken SG, 03. März 2025 (T. Schnider)
Der Standort Rheinhof in Salez ist neu auch beim Messnetz der AGFF dabei.
Die wöchentlichen Veränderungen sind vor allem für den Betriebsleiter spannend und wichtig, um die richtigen Weideentscheidungen zu treffen.
"Morgen Donnerstag starten wir. Über die gesamte weidefläche haben wir in Schnitt 9.9 clicks gemessen." Foto: Landquart GR, 05. März 2025 (R. Janett)
Jetzt ist es höchste Zeit, die restlichen Weidezäune fertig zu stellen und Tränkesystem zu kontrollieren. Foto: Bretzwil BL, Februar 2025 (M. Sutter)
Nein, Oscars fürs frühe Rauslassen der Tiere gibts nicht. Aber sichtlich haben alle Beteiligten viel Freude, wenn der Winter Pause macht. Foto: Gysenstein BE, 18. Februar 2025 (R. Joss)